Hintergrund

Ausgangssituation

Plastikprodukte und die unkontrollierte Verschmutzung der Umwelt durch Mikroplastik stehen mit teils noch unklaren Auswirkungen für die belebte und unbelebte Umwelt in der öffentlichen Kritik. Während für den maritimen und zunehmend auch für den landwirtschaftlichen Bereich die Auswirkungen durch den Verbleib von Plastik bereits diskutiert werden, gibt es hierfür im forstlichen Sektor bislang wenig Aufmerksamkeit. Doch auch in der Waldbewirtschaftung spielen Plastikprodukte wie z. B. Wuchshüllen aus herkömmlichen Kunststoffen eine bedeutsame Rolle. Diese werden oft nicht vollständig eingesammelt.

Was sind Wuchshüllen?

Wuchshüllen werden zum Schutz junger Bäume vor Verbiss durch Wildtiere und einem Überwachsen durch Konkurrenzvegetation eingesetzt. Gleichzeitig wirken sie wie Minigewächshäuser mit einer höheren Lufttemperatur sowie Luftfeuchtigkeit und können somit die Überlebenschancen und das Höhenwachstum der Bäume verbessern. Eingesetzt werden sie hauptsächlich im Laubholz für die verbissgefährdeten Baumarten Eiche, Kirsche, Ahorn, Esche, Elsbeere und Speierling. Vom Einsatz im Nadelholz wird zumeist abgeraten.

Der wesentliche Kritikpunkt an Wuchshüllen ist der Eintrag von Plastik in das Ökosystem Wald, wenn diese nach Erfüllung des Verwendungszweckes nicht sachgemäß rückgebaut werden. Erste Hochrechnungen ergaben, dass alleine im Bundesland Baden-Württemberg in den vergangenen 20 Jahren zwischen 4,5 und 7,7 Millionen Wuchshüllen verwendet und weniger als 50 % davon rückgebaut wurden. Aufgrund der langen Anwendungszeit der Wuchshüllen von mindestens fünf Jahren, bis die frisch gepflanzten Bäume aus der Hülle entwachsen und nicht mehr verbissgefährdet sind, geraten die ausgebrachten Hüllen häufig in Vergessenheit oder sind nur noch schwer auffindbar.

Die Notwendigkeit auf großer Fläche Wuchshüllen zu verwenden, ist auch ein Hinweis auf nicht ausreichend geregelte Wildbestände. Hier ist die Jagd noch nicht im Einklang mit einer gesunden Waldverjüngung. Der Einsatz von Wuchshüllen darf daher nicht von dieser Priorität ablenken: „Die Wuchshülle zeigt, wenn es mit der Jagd noch nicht stimmt.“

Kritisiert werden Wuchshüllen zuweilen dafür, dass zugunsten eines schnelleren Höhenwachstums das Dickenwachstum der jungen Bäume vernachlässigt wird und es dadurch während der ersten Jahre zu Einbußen in der Stabilität kommen kann. Außerdem kann der Baum in der Hülle überhitzen und verwelken. Um beiden Risiken entgegenzuwirken sollten Wuchshüllen im unteren Bereich gelocht sein. Dies führt zu einer verbesserten Luftzirkulation und wirkt einer Überhitzung entgegen. Mit dem Herauswachsen aus der Wuchshülle fördern die Windbewegung und die normalen Umgebungsbedingungen wieder das Dickenwachstum und die Stabilität der jungen Bäume wird verbessert.

Forschungsbedarf

Die Auswirkungen des Klimawandels führen schon jetzt zu einem erhöhten Bedarf an neuen naturnahen Wiederbewaldungen und lassen stark steigende Einsatzzahlen von Wuchshüllen erwarten. Dies ist zurückzuführen auf die zunehmende Verwendung von – noch – seltenen hitzeresistenten und verbissgefährdeten Baumarten, dem anhaltenden Waldumbau von instabilen Reinbeständen hin zu stabilen Mischbeständen und auch auf zahlreiche Wiederbewaldungen nach Schäden durch Borkenkäfer oder nach Extremwetterereignissen wie Sturm oder Waldbrand.

Um den Ansprüchen einer nachhaltigen, naturnahen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung zu genügen, benötigt es innovative Produkte – im Einklang mit der Natur. Im Projekt TheForestCleanup werden daher Alternativen zum herkömmlichen Plastik geschaffen sowie neue Konzepte zum Rückbau bisher zurückgelassener Wuchshüllen erarbeitet.